Im Atelier von…
Christian Bazant-Hegemark in Wien
Die Akademie der Bildenden Künste in Wien zählt zu den ältesten und renommiertesten Einrichtungen ihrer Art in ganz Europa, deren Anfänge bis in das Jahr 1692 zurückreichen. Ich bin mit dem Zug von Brno (Brünn), dem unter historischen und kulturgeschichtlichen Gesichtspunkten einstigen „Vorort“ Wiens, in die österreichische Hauptstadt gefahren und warte gespannt vor dem lang gestreckten Gebäude am Schillerplatz mit seiner etwas verblichenen, im Stil der italienischen Renaissance errichteten Fassade. Pünktlich erscheint der Kunststudent Christian Bazant-Hegemark (*1978), begrüßt mich freundlich, und wir gehen ins Innere der Akademie, in der mein Gesprächspartner seit 2006 studiert und wo er im ersten Stock sein Atelier hat, das er mit einem anderen Kommilitonen teilt. Ein mittelgroßer Raum, spartanisch eingerichtet, ungerahmte Ölbilder und Studien lehnen auf der linken Seite an der Wand, kleinformatige Bilder hängen gegenüber, dazwischen lagern auf dem Boden weitere Studien in Öl sowie gerahmte Zeichnungen, die von der ersten Einzelschau im Wiener „Brick5“ zurückgekommen sind. Stolz berichtet Bazant-Hegemark, ein gebürtiger Niederösterreicher, der bereits an zahlreichen Gruppensausstellungen teilgenommen hat, von seiner ersten Einzelschau. Überhaupt erfahre ich im Verlaufe unseres etwa einstündigen Gesprächs Einiges aus seiner Vita und von seinem künstlerischen Alltag.
Als Programmierer von Computerspielen hat er begonnen und bis zu seinem 24. Lebensjahr gearbeitet. Doch dann kam die Erkenntnis, dass dies nicht sein eigentliches Lebensziel sein könne, ja die Entfaltungsmöglichkeiten einengte. Und so fing er zu malen an, ein radikaler Wechsel, der aber, wenn man den Unterschied von Computerwissenschaft und Malerei hinterfragt, vielleicht doch gar nicht so gravierend ist – etwa mit Blick auf ästhetische Prinzipien (Denken in Bildern über Bilder). Mit Leidenschaft und Verve ist er bei der Sache, ein junger Künstler, der immer wieder (philosophische) Fragen stellt und in seine gegenständliche Malerei einfließen lässt. Begonnen hat er sein Studium an der Akademie in der Klasse für Grafik und druckgrafische Techniken, doch der Malerei gehört seine eigentliche Liebe, hier fühlt er sich zuhause, sie bildete auch den Ausschlag für den Ausstieg aus der Computertechnik und den Einstieg in die Kunst. Ein Bild, „Kaffeeküche“ von 2010, fällt mir gleich ins Auge, ich kenne es bereits von der Website Bazant-Hegemarks. Die Beschäftigung mit dem Zweifel am Abbild, die Frage: Kann man einer Sache, einer Situation, der Spur eines Menschen, näher kommen, indem man sie zeigt? – diese tiefgründige Frage ist ein zentrales Leitmotiv der Kunst Bazant-Hegemarks, das immer wieder explizit in den Raum gestellt wird. Szenen werden aus verschiedenen Blickwinkeln, in Überlagerungen, in Fragmenten gezeigt, so etwa auch im großformatigen Bild „Equilibrium“ (2010), das die figurative, an die Porträtkunst der Renaissance erinnernde Tradition aufgreift und durch Flächigkeit, sparsamen Farbeinsatz und das erkennbare hohe zeichnerische Können beeindruckt. Mein Lieblingsbild (Procession, 2009) ist leider aktuell in einer Wiener Kanzlei ausgestellt: Die Arbeit rückt sich wie in Trance bewegende Kinder beim Spielen in den Mittelpunkt, wobei die Perspektive durch lange Schatten definiert wird. Gerade die eingesetzte Farbigkeit und Rhythmik begeistert mich hier, wobei der Inhalt natürlich den Betrachter zu sehr verschiedenartigen Assoziationen regelrecht zwingt.

Christian Bazant-Hegemark wurde bereits für verschiedene Preise nominiert und hat zudem 2008 und 2009 zwei Stipendien erhalten. Dass er nicht nur ein sehr sympathischer, hoch talentierter Maler ist, sondern zugleich auch ein begnadeter Zeichner – davon legen etwa die Arbeiten Zeugnis ab, die ich mir in seinem Atelier ansehen durfte und die im übrigen alle, trotz der sehr unterschiedlichen Motive und Szenen, die sie – manchmal mit wenigen Strichen, manchmal mit intensiver Expressivität – unter Einsatz verschiedener Stilmittel zeigen, keinen Titel tragen. Dass Christian Bazant-Hegemark seinen Weg gehen wird, dessen bin ich mir absolut sicher. Ich freue mich auf eine geplante Ausstellung mit ihm in Leipzig – und einen neuen Atelierbesuch in Wien.
Thomas Krzenck
