Im Atelier von….

by Ines_Keerl ~ June 16th, 2010.
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Rene Stessl

Für Rene Stessl, geboren 1974 im österreichischen Bad Radkersburg (Steiermark), dienen, mit Blick auf das eigene künstlerische Schaffen, gegenständliche Bilder lediglich der Legitimation, dass er auch malen und zeichnen kann, wie man es an der Akademie der Bildenden Künste Wien von den Studenten selbstredend verlangt. Dies bekennt er freimütig bei einem Besuch in seinem Atelier an der Mariahilferstraße in Wien. Eigentlich mehr ein kleiner Raum als ein Atelier, in den – auch durch die Lage in einem Hinterhof bedingt – nur wenig Tageslicht fällt. Umso heller wirken die Bilder, häufig in grellen Farben gemalt, was anfänglich bei mir unterschwellig eine gewisse Unruhe erzeugt, die sich aber – bei näherer Betrachtung und im Gespräch mit dem Künstler – rasch legt. Rene Stessl, über den ich mich mit Hilfe seiner Website bereits informiert habe, ist ein aufgeschlossener, vielseitig interessierter, engagierter, intelligenter, aber auch geduldiger Gesprächspartner, der mir anhand der im Atelier gelagerten Arbeiten verdeutlicht, wie er mit Formen und Farben experimentiert, hin zu abstrakter Kunst, die sich in seinem Schaffen immer mehr durchsetzt, wobei mich die „Tiefenwirkungen“ einiger Bilder sofort beeindrucken. Im übrigen sind alle Bilder, vom Künstler so gewollt, ohne Titel. Der Betrachter wird gezwungen, eigene Assoziationen zu erzeugen und nachzudenken. Stessl ist ein Künstler, der seine Umwelt bewusst wahrnimmt, sich auch einmischt, ohne, was er ausdrücklich betont, ein „politischer“ Künstler sein zu wollen. Da er in verschiedenen Genres tätig ist – Malerei, Fotografie, Installationskunst -, kann dies vielleicht auch nicht ausbleiben. Etwa bei dem Frosch am Kreuz: Hier handelt es sich um eine direkte Anspielung auf ein Kunstwerk des leider viel zu früh verstorbenen Martin Kippenberg (1953-1997), bei dem ein gekreuzigter Frosch mit herausgestreckter Zunge und Bierkrug in der Hand seinerzeit für Wirbel und helle Aufregung sorgte. Dass Stessl in seiner Variation damit Partei für einen anderen Künstler und letztlich auch für die Freiheit der Kunst ergreift, liegt nahe und ist legitim. Rene Stessl hat bereits mehrere Preise gewonnen, sich in den zurückliegenden acht Jahren an zahlreichen Gruppenausstellungen beteiligt und kann zudem einige Personalausstellungen vorweisen, zuletzt 2009 im Quincy House, New York. Man darf gespannt sein auf seinen weiteren künstlerischen Weg. Dass er seinen Platz mit seinen stilistischen Mitteln und seiner Vielfalt sowie seinen Intentionen, Motiven und Gestaltungsmöglichkeiten finden wird, scheint vorgezeichnet.

Thomas Krzenck

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