Europäische Kunstgeschichte – unsere Entdeckung des Monats
Wir besuchten ein TOP Denkmal – die Zipser Burg Anlage in der Slowakei – und wollen Euch hiermit darauf aufmerksam machen. Ein mal im Monat nehmen wir Euch mit auf eine spannende Entdeckungsreise durch die europäische Kunstgeschichte – von den eiszeitlichen Höhlenmalereien und den Kultobjekten der Vinča-Kultur bis zu Landart und Graffiti. Die Zipser Burg gehört seit 1993 zum UNESCO-Weltkulturerbe!
Die wenigsten von Euch aber werden die größte Burganlage Mitteleuropas kennen: die Zipser Burg im Nordosten der Slowakischen Republik. Sie thront majestätisch und weithin sichtbar auf einem felsigen Kalksteinhügel inmitten einer offenen (malerischen) Landschaft. Sie gehört zu den so genannten Höhenburgen, die durch ihre schwer zugängliche Lage besonderen Schutz vor Angreifern boten. Nebenbei bemerkt: es sind natürlich auch im Flachland Burgen gebaut worden. Diese sind zum Schutz von breiten Wassergräben umgeben und werden Ebenen- oder Wasserburgen genannt.
Wie alle anderen mittelalterlichen Burgen diente auch die Zipser Burg sowohl dem Wohnen als auch der Verteidigung. Wie Ihr auf den Abbildungen gut erkennen könnt, besteht das Äußere der Burg aus Wällen, Gräben und starken Mauern mit Brustwehren und Zinnen. Aus dem Inneren dieser Verteidigungsanlage ragt der „Bergfried”, in diesem Falle ein hoher, dickwandiger Rundturm (errichtet seit dem ersten Drittel des 13. Jahrhunderts) heraus. Von ihm aus konnte man Freund und Feind früh erblicken, und in ihn zog man sich in kriegerischen Zeiten zurück, vor allem dann, wenn die Einnahme der Burg drohte. In Friedenszeiten lebten die Adligen im Palas, dem eigentlichen Wohnbau der Burg. Das Leben dort war allerdings beschwerlich, vor allem im Winter. Denn nur wenige kleine Zimmer, die Kemenaten (Kaminräume), konnten beheizt werden. Zu den großen Burganlagen gehörten aber auch Wirtschaftgebäude, einfache Unterkünfte für die Bediensteten, Werkstätten, Ställe und eine Burgkapelle.
Wenn Ihr die Zipser oder eine andere Burg besucht, dann wundert Euch nicht über verschiedene Baustile oder Um- und Anbauten. Bedenkt: Im Mittelalter sind Bauwerke meist in langen Bauzeiten entstanden, vor allem Kriege oder Geldmangel führten häufig zu Unterbrechungen. Und auch in späteren Zeiten erfuhren die Burgen – je nach Nutzung – Erweiterungen und Modernisierungen.
Das solltet Ihr zur Geschichte der Burg Zips wissen
Die Zips – so heißt die Gegend über der die Burg thront – war bereits seit der Jungsteinzeit besiedelt, später kamen Kelten, Römer, Mongolen und Osmanen hierher. So kreuzten sich Kulturen und Glaubensrichtungen und es entstand eine multiethnische Kultur im Herzen Europas. Seit der zweiten Hälfte des 11.Jh. gehörte die Gegend zum Herrschaftsbereich der ungarischen Könige. Diese holten vor allem deutsche Siedler aus Schlesien, Sachsen und Thüringen ins Land, unter denen die Zips zu einer wirtschaftlich blühenden Region aufstieg, mit der Burg (1209 erstmals schriftlich erwähnt) als Zentrum und Verwaltungssitz. Um die Größe und Bedeutung der Burg ermessen zu können, stellt Euch vor, dass auf ihr im Mittelalter bis zu 2000 Menschen gelebt haben. Bei einer Fläche von fast 41.500m2 (das entspricht mehr als fünf Fußballfeldern), ist dies durchaus vorstellbar! 1487 wurde Johann Zapolya hier geboren, der später König von Ungarn wurde. Bis in das ausgehende 18. Jh. residierten dann mehrere bedeutende ungarische und slowakische Adelsgeschlechter auf der Anlage. Zwei Großfeuer leiteten jedoch den Niedergang ein, zumal die Anlage auch der modernen Kriegstechnik nicht mehr gerecht wurde. Nachfolgend verfiel sie. 1969 begannen erste archäologische Ausgrabungen auf dem Burgberg und seit 1993 gehört die Zipser Burg zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Autoren: Dr. Heike Lüddemann, Dr. Thomas Krzenck
http://www.spisskyhrad.com/
http://www.spisskyhrad.sk/de.html